GESTALTEN Vorgestellt

An dieser Stelle möchten wir euch Persönlichkeiten vorstellen, die in unserem Verein mitgestalten.
Wir werden diese Rubrik kontinuierlich erweitern...

 

Jan-Christophe Swierczek-Jereczek

Jan ist Honorarmitglied bei WIR GESTALTEN e.V. und engagiert sich in der Hausaufgabenhilfe.

> Lieber Jan, magst du dich mit deiner vielfältigen Migrationsgeschichte und deinen Kompetenzen kurz vorstellen?

Jan: Ich komme aus einer etwas bunten Familie: meine Mama ist Französin, mein Papa Pole und sie haben sich in Deutschland kennengelernt. Deswegen bin ich in Berlin geboren, doch schon nach ein Paar Monaten sind wir nach Brüssel gezogen, wo ich 11 weitere Jahren meines Lebens verbracht habe. Danach bin ich mit meiner Mama und meinem Bruder zurück nach Berlin, wo ich seitdem lebe. Zwischendurch habe ich auch ein Semester lang in Sevilla gelebt, was ein ziemlicher Traum war.

Ich bin im Januar mit meinem Master in physikalische Ingenieur:inwissenschaften fertig geworden und ich habe mein Studium sehr genossen! Ich fange ab Oktober an, im Bereich der Klimaforschung zu promovieren und freue mich schon sehr drauf. Und zwischen den beiden Sachen nutze ich meine Zeit für Sachen, die mir sinnvoll erscheinen, wie Nachhilfe geben, für Deutsche Wohnen & Co. enteignen Unterschriften sammeln und politisch aktiv sein.

> Kannst du uns kurz erzählen, wie du vom Verein WIR GESTALTEN e.V. erfahren hast und was dich dazu bewogen hat zunächst ehrenamtlich und nun als Honorarkraft bei uns mitzuarbeiten?

Jan: Nach meinem Studium wollte ich erstmal mein Wissen auf ganz praktische Weise nutzen, und zwar für einen Zweck, der nicht nur mir was bringt. Nachhilfe ehrenamtlich zu geben, erschien mir das Naheliegendste zu sein, da ich mit der Lehre sehr affin bin. Ich komme aus einem sehr privilegierten Umfeld, das mir unheimlich viel ermöglicht hat und für das ich sehr dankbar bin. Nun will ich auch andere Menschen dabei unterstützen, dass sie es in der Schule reißen, an sich selbst glauben und sich keine Türen zumachen. Ich merke immer mehr, was für eine immense Rolle Bildung spielt. Niemandem sollte diese Möglichkeit verweigert werden und doch ist die Gesellschaft so aufgebaut, dass manche faktisch schlechtere Karten von vornherein haben. Ich hatte gute Karten und habe sie mir nicht “verdient”, ich hatte nur Glück und will dieses Glück mit anderen teilen… nicht nur weil ich es für richtig halte, sondern weil es kaum was schöneres gibt, als die Lust aufs Lernen weiter zu geben. Von dieser Überzeugung ausgehend, bin ich über eine Internetsuche auf WIR GESTALTEN gestoßen und habe mich sehr gefreut, solch eine angenehme Gelegenheit zu bekommen. 

> Du engagierst dich bei unserer Hausaufgabenhilfe, bisher leider coronabedingt nur online. Wie war der Einstieg für dich und was macht dir Spaß daran?

Jan: Trotz des Online-Formats, lief der Einstieg erstaunlich gut! Die Jugendlichen waren bereits alle mit digitalen Werkzeugen vertraut und wir konnten technische Probleme immer sehr schnell lösen. Natürlich ist ein physisches Treffen unersetzbar aber ich glaube wir haben uns sehr gut an die aktuelle Lage angepasst - starke Teamleistung! Erst recht nachdem so viel Schulunterricht nicht wie gewohnt stattfinden konnte, war die Nachhilfe willkommener denn je und ich habe bis jetzt sehr viel Bereitschaft bei den Schüler:innen gefunden. Das macht den Unterricht natürlich viel leichter und ich hoffe, dass wir durch das stetige Angebot manche Schwierigkeiten der Pandemie lindern konnten. Ich konnte bereits sehr positive Entwicklungen bei den Jugendlichen beobachten und das macht natürlich unheimlich viel Spaß zu sehen. Immer wieder machen die Kids unerwartete Sachen und zwar im positiven Sinne: ich habe bis jetzt auch viel gelacht und selber einiges neu gelernt.

> Möchtest du WIR GESTALTEN e.V. noch etwas mit auf den Weg geben?

Jan: Da ich ab Mitte September in Madrid leben werde, ist meine Zeit bei WIR GESTALTEN schon bald vorbei - leider, leider... Ich will mich vor allem dafür bedanken, dass ich so herzlich in das Team aufgenommen wurde und dass mir schnell Sachen zugetraut wurden. Der Umgang miteinander war immer extrem wertschätzend und ich kann nur sagen: macht weiter so! Bis dahin haben wir noch ein Paar Monate zusammen, die ich nochmal intensiver genießen werde.

 

 

Mewish Hossein und Inbal Lehrer

Mewish Hossein und Inbal Lehrer sind seit dem Herbst 2020 in einer Patenschaft. Inbal ist in Israel aufgewachsen und studiert seit zwei Jahren an der TU Berlin Informatik. Mewish ist 11 Jahre alt; ihre Eltern kommen ursprünglich aus Bangladesch.

> Liebe Mewish, seit wann kommst du nun schon zu uns in den Verein und wie hast du davon erfahren?

Mewish: Ich war schon mit zwei Jahren regelmäßig im Kiezcafé. Später hatten wir weniger Zeit. Irgendwann sind wir dann wieder ins Kiezcafé gegangen und Lara hat mich angesprochen, ob ich in die Hausaufgabenhilfegruppe kommen möchte. Da ich jetzt schon in der 6. Klasse bin und viel zu tun habe, übe ich meist Mathe, Deutsch und Naturwissenschaften in der Gruppe. Wenn ich mit den Hausaufgaben fertig bin, klettere ich gerne. Das Klettern mit Alex macht besonders viel Spaß!

> Liebe Inbal, wie hast du zu uns gefunden?

Inbal: Ich wohne im Wedding und habe über das Internet nach einem Verein in der Nähe gesucht. Als ich letzten Sommer angefangen habe war schon Corona. Ich konnte aber noch einige Ausflüge begleiten, die wir in den Sommerferien mit dem Kiezcafé durchgeführt haben oder mit den Kindern draußen spielen.

> Bevor du hier in Berlin angefangen hast zu studieren, hast du dich in deinem Heimatland Israel schon für Kinder engagiert.

Inbal: Ja, in Israel habe ich bereits fünf Jahre lang Jugendgruppen geleitet, sowohl regelmäßige Treffen während der Woche als auch Ferienreisen.

> Ihr beiden habt eine Patenschaft bei uns. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Inbal: Wir haben uns über das Kiezcafé kennengelernt. Ich glaube es war beim Sommerfest. Mirjam hat uns dann vermittelt. Ich bin sehr froh über meine Patenschaft mit Mewish. Es ist noch viel persönlicher als Gruppen zu leiten und das macht mir Spaß!

Mewish: Ja, ich wollte eine ältere Schwester und Mirjam hat dann Inbal gefragt, ob sie meine Patin werden will.

> Mit den Corona-Kontaktbeschränkungen ist es ja derzeit nicht so einfach. Wie schafft ihr es dennoch, den Kontakt aufrecht zu halten und was macht ihr aktuell?

Inbal: Wir sind viel draußen. Diese Woche waren wir im Park und wollten einen Schneemann bauen. Der ist zwar nicht so gut geworden, aber wir hatten trotzdem Spaß und waren dann spazieren. Zudem schreiben wir uns fast jeden Tag Kurznachrichten oder telefonieren. Manchmal treffen wir uns auch per Zoom und malen zusammen. Wir haben beide Spaß an Kunst.

> Was habt ihr euch vorgenommen in eurer Patenschaft zu machen, wenn man sich wieder unkomplizierter treffen kann?

Inbal: Im Frühling wollen wir unbedingt zusammen Berlin erkunden. Ich kenne Berlin ja auch noch nicht so gut. Wenn es geht, wollen wir nochmal Schlittschuh laufen und wenn alles wieder geöffnet hat, Museen besuchen, ins Jump-House gehen und im Sommer auf dem Tempelhofer Feld Fahrrad fahren, picknicken oder zum See fahren.

> Wollt ihr vielleicht noch sagen, was ihr aneinander schätzt?

Mewish: Ich habe mir schon immer eine große Schwester gewünscht, mit der ich alles machen kann, was mit meinen Eltern und kleinen Geschwistern nicht möglich ist.

Inbal: Mewish ist sehr lustig. Wir haben immer Spaß zusammen. Ich warte schon auf den Sommer und darauf dass wir noch mehr miteinander unternehmen können. Ich bin froh dass ich die Patenschaft habe. Patenschaft ist nice, auch in Corona-Zeiten, denn wir dürfen uns treffen!

 

 

Johannes Henkel

Johannes ist Vorstandsvorsitzender und Gründungsmitglied unseres Vereins. In diesem Interview fragen wir ihn, nach seinen unterschiedlichen Erfahrungen im Verein und was das freiwillige Engagement für WIR GESTALTEN immer noch attraktiv für ihn macht.

> Lieber Hannes, du hast den Verein WIR GESTALTEN e.V. mit gegründet. Kannst du kurz berichten, wie es dazu kam, dass du Gründungsmitglied geworden bist?

Johannes: Ich habe damals studiert und war regelmäßig im Gottesdienst in der Müllerstraße. Daher kannte ich Sarah Faix, die dort Jugendarbeit mit einer Gruppe arabischstämmiger Kinder und Jugendlicher gemacht hat. Ihre Arbeit habe ich immer bewundert und wollte mich da auch gerne einbringen. Als dann in der Gemeinde die Idee aufkam, einen Verein zu gründen, um einen stabilen Rahmen für die Jugendarbeit zu geben und geförderte Projekte durchführen zu können, fand ich das sehr spannend und habe mich direkt entschieden, die Vereinsgründung zu unterstützen.

> Zu Beginn des Vereinslebens hattest du selbst eine Patenschaft. Wie kam damals die Patenschaft zu Stande?

Johannes: An die Vermittlung erinnere ich mich gar nicht mehr so genau, das ist ja schon so lange her... jedenfalls war es weit weniger professionell als heute! Ich weiß noch dass Ebenezer, ein Junge aus dem Wedding mit Eltern aus Ghana, eine Schwester hatte, die eine Patenschaft mit jemanden aus der Gemeinde hatte. Wahrscheinlich hat er seiner Schwester mitgegeben, dass er auch eine Patenschaft sucht und irgendjemand hat mich gefragt. Ebenezer habe ich dann bestimmt fünf Jahre lang getroffen, mal regelmäßig wöchtlich, mal auch etwas unregelmäßiger.

> Was war damals Inhalt eurer Patenschaft? Was habt ihr bei den gemeinsamen Treffen gemacht?

Johannes: Meistens ging es um Hausaufgaben und ums Lernen für Arbeiten in der Schule. Aber es gab auch andere Themen: Ich erinnere mich noch daran, dass er Bewerbungen für ein Praktikum geschrieben hatte und wir da zusammen noch einmal drübergeschaut haben. Und einmal hat er einen Einbürgerungsantrag gestellt, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Da haben wir zusammen die Formulare ausgefüllt und auch über Politik gesprochen - da gibt es bei der Einbürgerung eine Art "Test", ob man sich mit dem deutschen Parteiensystem auskennt und die Aufgaben von Bundestag und Bundesrat etc. kennt. Ein paar Mal war er auch bei uns zu Hause beim Abendessen zu Besuch.

> Was ist aus deinem ehemaligen Mentee geworden? Habt ihr noch Kontakt?

Johannes: Ja, wir haben über die Jahre immer wieder unregelmäßig Kontakt gehalten. Ich habe mich immer gefreut, von ihm zu hören. Vor ca. einem Jahr war er bei unserer Familie zu Besuch und hat erzählt, dass er eine gute Arbeit in Neukölln gefunden hat jetzt in einer eigenen Wohnung im Gesundbrunnenkiez wohnt. Er hat einen sehr zufriedenen Eindruck auf mich gemacht, das hat mich sehr gefreut.

> Du engagierst dich immer noch im Vorstand des Vereins. Was hält deine Motivation über so einen langen Zeitraum aufrecht?

Johannes: Man verbringt so viel Zeit mit Arbeiten. Mir ist es immer wichtig gewesen, neben der Arbeit noch etwas anderes zu machen, und zwar nicht für mich, sondern für andere, also "dienend". Mein Glaube spielt da natürlich auch eine wichtige Rolle.

> Was sind heute deine Aufgaben im Verein?

Johannes: Als Vorstand schauen wir regelmäßig auf den Verlauf unserer Projekte und Aktivitäten und besprechen mit den Festangestellten, was wir gemeinsam tun können, um die Vereinsarbeit zu verbessern, weiterzuentwickeln, oder an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Als erster Vorsitzender habe ich außerdem die Aufgabe, unsere Treffen zu organisieren und einen Überblick über die Finanzen zu behalten. Manchmal finde ich es schade, dass ich von den Patenschaften und den vielen Menschen, die im Verein aktiv sind, nur noch selten etwas mitbekomme. Aber man kann eben nicht alles machen.

> Gibt es noch einen besonderen Moment oder eine besondere Erfahrung im Verein, die du teilen möchtest?

Johannes: Eine Erfahrung, an die ich sehr gerne zurückdenke war ein Essen, zu dem ich mit meiner Frau und unserer damals vielleicht zweijährigen Tochter bei der Familie von Ebenezer eingeladen war. Ebenezer lebte mit seiner Familie in einem von außen ziemlich unscheinbaren Häuserblock in der Chausseestraße. Als wir durch die Wohnungstür eingetreten sind, war das wie in eine andere Welt zu kommen! In der Wohnung standen viele große Palmen, in der Großfamilie herrschte viel Trubel und Gerüche, Möbel und Dekoration fühlten sich an wie in einem anderen Land. Das fand ich so faszinierend, da ich an dem Häuserblock schon hundertmal vorbeigefahren war und nie vermutet hätte, dass sich da so eine Art kleines afrikanisches Paradies befindet...

> Was wünschst du dir für die Zukunft von WIR GESTALTEN e.V.?

Dass wir unsere Arbeit im Wedding noch lange so fortführen können und wo Bedarf besteht auch erweitern. Und dass wir immer besser verstehen, wie wir wirksam an einer Basis für ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Kulturen und Religionen arbeiten. Sehr bereichert hat uns in den letzten Jahren auch der "internationale Zuwachs" durch die Projekte Uzimatele und tschweni eso - das fände ich auch toll, wenn wir noch mehr Projekte im Ausland finden, die wir durch unsere Strukturen in Deutschland unterstützen können.

 


Franziska Seise

Franziska Seise führt im Rahmen ihrer Promotion in der Sozial- und Kulturanthropologie ein Begleitforschungsprojekt bei WIR GESTALTEN e.V. zur Beziehungsentwicklung in Patenschaften durch. Seit über einem Jahr hat sie selbst eine Patenschaft mit einem 16-jährigen geflüchteten Mädchen und ist seit kurzem Mitglied in unserem Verein.

> Liebe Franzi, du bist nun schon seit 1 ½ Jahren aktiv in unserem Verein. Magst du kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist?

Franziska: Das erste Mal, dass ich eure Aktivitäten kennengelernt habe, war an einem Kiezcafénachmittag in den alten Räumlichkeiten der Kirche. Es war irre viel los, es waren gefühlt 60 bis 70 Kinder und Mütter da und Mirjam baute mit den Kindern einen Hindernisparcours auf.  

Euch habe ich aber schon mal vorher getroffen, mit dem Anliegen eine ethnografische Forschung zum Thema Patenschaften bei euch zu durchführen zu können. Ich wurde von dem Verein Kein Abseits e.V. aus eurem KiPa-Netzwerk an euch verwiesen. Gloria hatte mir empfohlen, Kerstin anzusprechen, weil ihr mit geflüchteten Kindern arbeitet. Ich interessiere mich dabei für die Frage, wie sich eine Beziehung zwischen zwei Menschen entwickelt, die auf den ersten Blick nicht soviel gemeinsam haben, also soviel teilen und was da eigentlich passiert. Ich wollte von Anfang an, selbst gerne eine Patenschaft übernehmen, nicht nur aus dem Forschungsinteresse heraus, sondern aus der Motivation, selbst eine interkulturelle Begegnung zu erfahren und meine Freizeit sinnvoll zu verbringen. Nun bin ich schon seit über einem Jahr in einer Patenschaft mit einem 16jährigen Mädchen.

> Du triffst dich regelmäßig mit Sana. Eure Beziehung hat sich schon ein ganzes Stück weiterentwickelt. Magst du kurz etwas zu dieser Entwicklung sagen? Welche Wirkung die Patenschaft bei dir bisher hinterlassen hat?

Franziska: Am Anfang hat es schon häufiger geruckelt, weil man mehr oder weniger willkürlich zusammengeworfen wird und dann die Aufgabe hat, qualitativ hochwertige Zeit miteinander zu verbringen. Es hat einige Monate gedauert bis man ausgehandelt hat, wie das aussehen kann und was man miteinander teilt. Man muss erst den richtigen Ton finden, um sich nicht auf die Füße zu treten, aber auch nicht zu allem „ja und amen“ zu sagen. Und wenn ich so zurückdenke, hatten wir mehrere Schlüsselmomente, wo ich dachte „ah jetzt ist der Knoten geplatzt!“. Das waren zum einen Gespräche, wo ich gemerkt habe, dass wir anfangen, uns persönlicher zu unterhalten und ich Dinge erzähle, die mich am Tag beschäftigt haben, weil ich Sana plötzlich als Zuhörerin begreife. Auch sie hat mir irgendwann privatere Geschichten erzählt und durch diesen Zugang, also nicht nur eine gemeinsame Aktivität, sondern das Teilhabenlassen von dem, was einen jeden Tag auch emotional beschäftigt, ich glaube darüber haben wir dann eine richtige Beziehung entwickelt, die nicht mehr nur eine künstlich herbeigeführte ist.

> Und das Begleitforschungsprojekt läuft nun auch eine Weile. Wir haben dank dir, 10 Tandems gewinnen können, magst du noch etwas zum Forschungsrahmen und einer Rolle erklären?

Franziska: An der FU waren alles sehr glücklich über die Kooperation mit WIR GESTALTEN, die es ermöglicht hat, Studierende an meinem Forschungsthema teilhaben zu lassen. Die Idee war, dass es durch ein Praktikumsprojekt mit Begleitseminar, in dem Theorie vermittelt und wöchentlicher Austausch ermöglicht wird, und die Vermittlung einer Patenschaft durch WIR GESTALTEN eine gegenseitige Befruchtung geben könnte. Denn einerseits ist die interkulturelle Begegnung gerade für Ethnologiestudierende sehr wertvoll - die ganzen Momente der Reflexion, die damit einhergehen, die Momente des Wunderns und des Zweifelns vielleicht auch. Und andererseits bin ich der Meinung, dass unser Fach ein Wissen und eine Sensibilität vermittelt, die für diese Patenschaftsbegegnung sehr wertvoll sein kann.

Im vergangenen Herbst wurden dann nach und nach 10 Patenschaften gematcht und seitdem treffen wir uns zweiwöchentlich und unterhalten uns bei Kaffee und Frühstück - aktuell online - über unsere Erfahrung und diskutieren bestimmte Begriffe, und über unsere Rolle in den Patenschaftsbeziehungen und ich habe das Gefühl, dass das für alle eine sehr bereichernde Erfahrung war.

>Ja, danke, also für uns ist das auch eine sehr bereichernde Erfahrung. Also insbesondere dein doppelter Blick auf die Patenschaften, zum einen weil du selbst Patin bist und zum anderen bringst du als Forscherin sehr viel Input in unseren Verein. Du begleitest uns sehr eng, warst immer beim Kiezcafé, allen Einführungsveranstaltungen und Workshops  dabei. Wir erleben auch deine Studierenden als sehr offen, weil sie ja auch schon viel mit dir diskutieren und reflektieren. Sie kommen mit Problemen auf uns zu und wir sind auf diese Weise näher an den Ehrenamtlichen dran. Es ist ein großer Mehrwert für alle, eine Patenschaft von unterschiedlichen Seiten zu begleiten und darüber zu reflektieren. Sowohl die Ehrenamtlichen als auch wir erfahren die Wirkung von Patenschaften so auf eine besondere Weise.

Danke, dir für das Interview und umfangreiche Engagement bei uns! Wir freuen uns sehr, dich nun auch als Mitglied gewonnen zu haben!

 

Gülistan Koç

Gülistan Koç lebt in Istanbul und hat in der Türkei bereits in einigen EU-Projekten mit Geflüchteten gearbeitet. Seit Januar 2020 arbeitet sie ehrenamtlich bei WIR GESTALTEN e.V..

> How did you find out about us?

Gülistan: I´m a coach surfer. When I travel, I like to meet people from the communities. So I was looking at some websites and I found TeachSurfing and I went to the WIR GESTALTEN website. I liked the idea of being with children, being with families and working with woman and young girls as it has always been a part of my work to encourage young girls or to be encouraged through the dialog. Than Kerstin and I had a skype-meeting and she explained me, how WIR GESTALTEN works.

> In which kind of projects you are engaged at the moment?

Gülistan: We just started with the project to empower young refugee girls, when I came. I really like it, because at the beginning you try many things. I like the idea of the project to focus on the girls´ role-models. And I see, that we are in the same path in the project. We believe in ourselves and that enables us to change something in our lives and maybe later on for somebody else. I really like the idea of being a role model. Because when we start to be our own role model, when we start to encourage ourselves, then we realize, what we are able to do.

> And you also help in the Kiezcafé, don´t you?

Gülistan: Yes, and this is quite a different experience for me. Because I´ve been working with Turkish and Syrian children and our main language was Turkish. I wanted to have the experience as well, how it is, when you don´t speak the language. I remember the first week when I came to Kiezcafé, nobody wanted to speak in English to me. Some of the kids speak English, but they were shy. But when you play with children and they see, you want to play with them or when both of you try to understand each other, you always find a language. I believe in that. Now I´m here since to month and we found out how to communicate. And it´s really nice to see, that some of them encourage themselves to speak English as I try to speak some German now.

> Tell us about some special experiences you have made here, please!

Gülistan: Even if I´m here only for two months, I just feel like I am home with WIR GESTALTEN. When I come here, when I meet you, when I meet any person from the team or the volunteers, I feel the warmness, I feel, that we understand each other, we share the same things. Because home means to me people. When you are open, I can be open, too.

I was trying to explore something in my work. I appreciate that you gave me this opportunity. In the girls´ project, I experienced, that we speak different languages and we are kind of becoming friends, enjoying the time together. I believe that´s a project, that will encourage many girls. Even though I´m going back to Turkey I believe, that I will still be a part of it, because we can talk and skype. Maybe I can do something from there, maybe we can do something together. Because it comes from the feeling “home”.

I like being here. And being here gives me a lot of happiness!

> Thank you very much for your help and the interview!

 

 

Sheenagh Matthews und Markus Bleck

Sheenagh Matthews und Markus Bleck engagieren sich in dem Projekt „tschweni eso“, das kürzlich im Verein WIR GESTALTEN e.V. aufgenommen wurde.

  >Was passiert in dem Projekt und was bedeutet der Name?

Sheenagh & Markus: „tschweni eso“ heißt „Unser Hof“ und ist ein Hort-Angebot für benachteiligte Kinder und Jugendliche in einem Dorf in einer ländlichen Region Ostgeorgiens. Das Angebot umfasst ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenhilfe sowie Spielmöglichkeiten.

  >Vor welche Herausforderungen seid ihr und die Mitarbeitenden vor Ort gestellt?

Markus: In Georgien fehlt es vielerorts nicht nur an Geld für ein solches Projekt, sondern auch an den Ideen dafür. In diesem Fall aber hatte Marika Tskhadadze, Pastorin und ehemalige Lehrerin, einen guten Blick für den Bedarf benachteiligter Kinder in ihrem Dorf und die Idee für dieses Projekt. Wir hier wollen das finanziell unterstützen und suchen nach weiteren Spendern.

  >Welche schönen Erfahrungen habt ihr bisher mit „tschweni eso“ gemacht?

Sheenagh: Ich habe den Hort im ersten Jahr nach der Gründung mit meiner kleinen Tochter, damals 4 Jahre alt, besucht. Es war schön zu sehen, wie stolz die Kinder auf „ihren“ Hort waren. Sie haben sich gefreut, dass sie Besuch hatten und haben uns alles gezeigt. Sie waren aber auch neugierig auf uns und die Welt außerhalb von ihrem Dorf. Insgesamt eine sehr offene und warmherzige Begegnung.

  >Weshalb wolltet ihr euch mit eurem Projekt bei WIR GESTALTEN e.V. anschließen?

Sheenagh: Uns ist es wichtig, dass das Projekt überlebt. Der Kreis der Unterstützer war immer überschaubar und wurde zuletzt noch kleiner. Mit der Aufnahme bei WIR GESTALTEN e.V. können jetzt Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Dadurch hoffen wir den Unterstützer-Kreis zu erweitern und auf viele Schultern zu verteilen. So ist die Zukunft des Projekts sicherer.

  >„tschweni eso“ ist ein Projekt in Georgien. Was sollten wir über das Land wissen?

Markus: Georgien liegt geographisch und kulturell zwischen Europa und Asien und bietet für Westeuropäer vielleicht ebenso viel Vertrautes wie Fremdes. Auf den ersten Blick scheint Georgien im Moment von der Hilfe aus dem Westen abhängig. Aber auch wir können viel von den Georgiern lernen und sehr vom Austausch profitieren.

  >Jetzt mal persönlich: Wieso engagiert ihr euch für „tschweni eso“?

Markus: Mit vergleichsweise wenig Geld wird hier sehr viel für die Kinder erreicht. Der Erfolg zeigt sich bei den Schulnoten der Kinder und wirkt weiter in ihr ganzes Leben.

Sheenagh: Das Projekt bietet den Kindern mehr als nur ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und einen geschützten Ort zum Spielen. Es vermittelt den Kindern, dass sie wertvoll sind und dass es sich lohnt in sie zu investieren. Was könnte wichtiger sein?

Mehr Informotionen zu unserem Projekt tschweni eso gibt es hier...

 

Jasmin Alsultan

Jasmin ist Patin von einem 10-jährigen Mädchen, das vor ein paar Jahren mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist.

  >Was hat dich bewogen, eine Patenschaft bei WIR GESTALTEN anzufangen?

Die Idee der Eins-zu-eins-Patenschaft fand ich von Anfang an sehr charmant. So eine Patenschaft ist für mich gut überschaubar und ich kann auf mein Patenkind individuell eingehen. Eine Patin zu sein, ist für mich so etwas wie eine große Schwester sein und das bin ich sehr gerne. In der Patenschaft begegne ich meinem Patenkind auf Augenhöhe und wir lernen voneinander.

  >Deine Patenschaft besteht jetzt seit 8 Monaten. Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Sehr viele und sehr viele gute. Die Familie meines Patenkindes hat mich mit viel Wärme und Zuneigung aufgenommen, so dass wir schnell Vertrauen zueinander aufbauen konnten. Das große Vertrauen erstaunt mich umso mehr, als dass die Familie durch die Fluchterfahrung auch viel misstrauischer hätte sein können. Durch mein Patenkind habe ich gelernt, meinen Mann besser zu verstehen. Er ist ebenfalls Syrer und kommt deshalb aus dem gleichen Kulturkreis.

  >Was wünschst du deinem Patenkind?

Ich hoffe, dass mein Patenkind, wenn es älter ist, rückblickend von unserer Patenschaft profitiert. Ich wünsche ihm, dass es Verständnis für andere aufbringt und immer offen und neugierig bleibt. Außerdem wünsche ich meinem Patenkind, dass es immer mehr Lust am Lernen bekommt und es dadurch besser in der Schule wird.

  >Was schätzt du am Verein WIR GESTALTEN?

Ich bin im Verein mit offenen Armen empfangen worden. Für meine Patenschaft gibt es viel Hilfe und Unterstützung von Seiten des Vereins. Ich habe immer das Gefühl, ich bin nicht allein. Hier kann ich menschlich sein. Das heißt, ich darf Fehler machen, es muss nicht alles klappen.

  >Wem würdest du eine Patenschaft empfehlen?

Jeder sollte eine Patenschaft übernehmen, weil jeder davon profitiert. Eine Patenschaft baut Brücken und durch den interkulturellen Austausch wird man bereichert.

 

 

Reinhold Grünberg-Mutschler

Mitglied im Verein „WIR GESTALTEN e.V.“ seit 2018

  >Wie kam es, dass du Mitglied geworden bist?

Ich habe etwas gesucht, wohin ich regelmäßig spenden kann. Im Gottesdienst der Baptistenkirche Wedding wurde der Verein und die Möglichkeit zur Mitgliedschaft vorgestellt, so dass ich mich dafür entschied.

  >Warum möchtest du gerade bei WIR GESTALTEN Mitglied sein?

Mir gefallen die vielfältigen Aktivitäten des Vereins: Das Engagement in Afrika mit dem Projekt „Uzimatele“, die Kiezpatenschaften und die offene Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen im Kiezcafé.

  >Weshalb findest du die Arbeit hier im Kiez wichtig?

Weil ich selbst Erfahrungen in diesem Bereich habe. Vor ein paar Jahren habe ich in einem anderen Verein aktiv mitgearbeitet und dort verschiedene Musikprojekte für Schüler*innen und Senior*innen angeboten. Deshalb weiß ich wie wichtig und sinnvoll die Angebote von WIR GESTALTEN sind.

  >Du bist jetzt in Rente. Was hast du früher beruflich getan?

Ich war viele Jahre Sonderschullehrer. Später habe ich mich selbständig gemacht. Da habe ich Chöre für Senior*innen und für Menschen mit Behinderung geleitet. Jetzt als Rentner mache ich immer noch gerne Musik in verschiedenen Gruppen. Ich spiele Zupfinstrumente, z.B. Gitarre und Bass.

 

Fadia Souheil

Honorarmitarbeiterin im Kiezcafé


  >Wie hast du den Verein „WIR GESTALTEN e.V.“ kennengelernt und wie kam das?

Vor ungefähr 5 Jahren bin ich zum ersten Mal ins Kiezcafé gekommen. Meine Nichte erzählte mir von der Möglichkeit, dass die Kinder hier Hausaufgaben machen können und man gemeinsame Ausflüge unternimmt.

  >Und dann?

Dann bin ich mit meinen Kindern dort hingegangen. Mir hat die Atmosphäre gut gefallen und ich habe schnell Kontakt zu anderen Müttern bekommen. Seitdem besuchen wir regelmäßig das Kiezcafé.

  >Wie kam es, dass du Honorarmitarbeiterin wurdest?

Die Mitarbeiterinnen des Vereins fragten mich, ob ich sie als Übersetzerin bei Gesprächen mit geflüchteten Menschen unterstützen könne. Über die Anfrage habe ich mich gefreut und gleich zugesagt. Ich bin froh, dass ich helfen kann. Außerdem arbeite ich im Kiezcafé mit. Ich koche den Kaffee, schneide Obst usw.

  >Was wünscht du dir für den Verein?

Ich hoffe, dass es so bleibt wie es ist, weil es mir hier gut gefällt und ich mich einbringen kann.

 

Luzia Schmittmann & Lara Mohamad

Die beiden Studentinnen Lara und Luzia sind als Honorarkräfte bei WIR GESTALTEN beschäftigt.

> Was macht ihr bei WIR GESTALTEN?

Lara: Luzia und ich geben Nachhilfe während des Kiezcafés. In den Ferien nutzen wir die Zeit zum Spielen und Quatschen mit den Kindern und Jugendlichen.

Luzia: Und daraus ist auch die Mädchengruppe „Banat acher zaman -Die Mädchen von heute“ entstanden. Wir reden dort im vertrauten Rahmen über Themen, die uns Mädchen und Frauen beschäftigen.

>Wie und wann seid ihr dazu gekommen, bei WIR GESTALTEN mitzuarbeiten?

Luzia: Ich bin seit 2015 dabei und habe zunächst ehrenamtlich als Kiezpatin mitgemacht, weil ich neben meinem Studium noch Kapazitäten hatte. Später habe ich die Hausaufgabenbetreuung übernommen. Ich halte es für wichtig, sich als Teil der Gesellschaft sozial zu engagieren.

Lara: Ich habe im Oktober 2017 angefangen mitzuarbeiten. Meine Mutter kommt mit meinen Geschwistern schon länger ins Kiezcafé und so habe ich von der Möglichkeit gehört, dass ich mich hier engagieren kann.

>Was macht euch Spaß an der Nachhilfegruppe?

Lara: Mir hat die entspannte Atmosphäre im Kiezcafé von Anfang an gefallen. Ich freue mich immer auf das Kiezcafé, weil es eine Abwechslung zu meinem restlichen Alltag, der oft stressig ist, bedeutet.

Luzia: Ja, das ist bei mir genauso. Außerdem finde ich es gut, mit Menschen zusammen zu sein, die alle sehr unterschiedlich sind. Ich bin ja schon länger dabei und habe deshalb schon lange Kontakt zu vielen der Kinder und das finde ich schön. Mit Lara arbeite ich sehr gerne zusammen.

Lara: Ja, wir haben uns von Anfang an gut verstanden.

>Und was gefällt euch nicht?

Lara: Manchmal ist es in der Nachhilfe ganz schön chaotisch. Die Kinder haben sehr viel Energie und sind oft unkonzentriert. Wir haben viel damit zu tun, für Ordnung zu sorgen und die Konzentration wieder herzustellen.

>Wie sind eure Erfahrungen – worauf kommt es in der Nachhilfe an?

Luzia: Man braucht viel Geduld und muss die Kinder immer wieder neu motivieren. Dafür ist es umso schöner, wenn die Kinder etwas gelernt haben und regelmäßig und freiwillig kommen.

 

 

 

 

 

"Ich will andere Menschen dabei unterstützen, dass sie es in der Schule reißen, an sich selbst glauben und sich keine Türen zumachen."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Patenschaft ist nice, auch in Corona-Zeiten, denn wir dürfen uns treffen!"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Für WIR GESTALTEN e.V. wünsche ich mir, dass wir immer besser verstehen, wie wir wirksam an einer Basis für ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Kulturen und Religionen arbeiten...."
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"...also nicht nur eine gemeinsame Aktivität, sondern das Teilhabenlassen von dem, was einen jeden Tag auch emotional beschäftigt -

ich glaube darüber haben wir dann eine richtige Beziehung entwickelt, die nicht mehr nur eine künstlich herbeigeführte ist."

Franzi%20bearbeitet (1)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Even if I´m here only for two months, I just feel like I am home with WIR GESTALTEN."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Das Projekt bietet den Kindern mehr als nur ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und einen geschützten Ort zum Spielen..."

Sheenagh_Markus

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Eine Patenschaft baut Brücken und durch den interkulturellen Austausch wird man bereichert...."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Mir gefallen die vielfältigen Aktivitäten des Vereins..."

 

 

 

 

 

 

 

"Das Kiezcafé ist für mich ein besonderer Ort um in vertrauensvoller Atmosphäre gute Gespräche zu führen."


 

 

 

 

 

"Ich halte es für wichtig, sich als Teil der Gesellschaft sozial zu engagieren."

 

 

"Mir hat die entspannte Atmosphäre im Kiezcafé von Anfang an gefallen."